Der Architekt Paul Schneider-Esleben hat in den 1950er-Jahren mit der Düsseldorfer Rochus-Kirche einen der außergewöhnlichsten Kirchenbauten der Neuzeit geschaffen. Drei Segmente aus kreisförmigem flachen Teil und parabelartiger Kuppelschale rotieren um ein Zentrum. Leider haben sich Architekt und Bauherr kurz vor der Fertigstellung zerstritten; der Kircheninnenraum wurde ohne Beteiligung von Schneider-Esleben fertiggestellt und seitdem mehrere Male umgestaltet, ohne jemals einen zufriedenstellenden Rahmen für Gottesdienste geboten zu haben.

Unser Ansatz gibt die Ostung des Innenraums auf zugunsten einer rotationsgeometrischen Anordnung von Gestühl und Ambo- Standorten. Der Altar füllt die Mitte. Der Verzicht auf Orientierung bietende Fixpunkte und die Gegenkrümmung der Stuhlreihen verstärken das Gefühl, als sei der Raum in einer ständigen Bewegung.

Der Raum wird freigeräumt von sämtlichen verunklarenden Zutaten. So verstärkt sich der überwältigende Raumeindruck, der von allem aus seiner hochkomplexen Geometrie gespeist wird. Das Gestühl ist beweglich, während Altar und Ambonen an fixierten Stellen helfen, den Raum auch rational verstehen zu können.

So sah die Kuppel aus, als Schneider-Esleben während des Rohbaus hochverärgert aus dem Projekt ausstieg. Sie ist seitdem nur mit einem Anstrich versehen worden, auf den vom Architekten vorgesehenen Akustikputz hat man verzichtet. Deshalb ist das gesprochene Wort bis heute dort kaum verständlich.

Den Ausweg aus dem Dilemma, zur Verbesserung der Raumakustik an irgendeiner Stelle in den Bestand eingreifen zu müssen, sehen wir in der Behandlung der Raumschale. Zugunsten der Form des Raumes verändern sich seine Oberflächen. Kaum merkliche Korrekturen von Tageslichteinfall und Kunstlichteinsatz steigern die Wirkung des Raumes als Ort der Kontemplation.

Die Teilhabe der Gemeinde am Gottesdienst wird um das Aufstellen der Stühle vor Beginn der Messe erweitert. Um die Raumwirkung zu steigern, stehen die Stühle außerhalb des Gottesdienstes am Rand der Konchen. Nur für die Heilige Messe werden sie in die Mitte getragen, sodass sich die Gemeinde unter der Kuppel versammelt.

Auch ohne Stühle werden Gottesdienste gefeiert – mit den Kindern der umliegenden Schulen.