Das Polizeirevier war in den 1980er Jahren als Volkspolizei-Stützunkt für das große Chemnitzer Plattenbaugebiet „Fritz Heckert“ errichtet worden. Nach der Wende übernahm die Sächsische Polizei den verkehrstechnisch günstigen Standort als Revier Chemnitz-Süd. Der schlechte Bauzustand und die veraltete technische Ausstattung machten eine Modernisierung erforderlich.

Das Polizeirevier war nicht als solches erkennbar, weil sämtliche Nebengebäude ungeordnet positioniert wurden. Das Erscheinungsbild ähnelte eher dem eines Wohnbaus.

Die Liegenschaft wurde durch Abriss der Nebengebäude neu geordnet und mit einem Garagenkomplex zu einer kompakten Hofanlage ergänzt. Der Hauptbau wurde durch Abbruch von Anbauten und Vorsprüngen auf einen markanten Kubus zurechtgeschnitten. Der über Eck liegende Einschnitt in den Kubus markiert den Zugang zum Revier aus dem öffentlichen Raum heraus.

Der Altbau war von Maurerlehrlingen in handwerklicher Ziegelbauweise errichtet. Materialien, Konstruktionsdetails und Ausführungsqualität waren ohne Wert, so dass bewusst eine völlige Überformung des Gebäudes verfolgt wurde.

Der Bau wurde komplett mit einer neuen metallischen Haut überzogen. Das einheitliche Fassadenraster ist aus den Achsbreiten und Geschosshöhen des Altbaus abgeleitet, das Gebäude erhält einen neuen, großzügigeren Maßstab. Präzision und Ordnung des neuen Erscheinungsbilds assoziieren die Professionalität der Polizei.

Unverwirklicht blieb die Kunst am Bau: Der Entwurf der Leipziger Künstlerin Bea Meyer sah den Leuchtschriftzug „Johnny“ im Schaufenster des Polizeireviers vor, eine Anspielung auf die Western-Figur des Sheriffs, der Recht und Gesetz verkörpert und die Stadt vor Banditen schützt. Die Nutzer sprachen sich leider dagegen aus.