Bis vor zwanzig Jahren war die nördliche Innenstadt von der zugigen Weite der autogerechten Stadt geprägt. Vom Bahnhofsvorplatz blickte man auf einen überdimensionalen Kreisel, der den Verkehrsfluss regelte. Der Unternehmenssitz der Stadtwerke Wolfsburg auf der gegenüberliegenden Seite wirkte unerreichbar. Die Krise der Automobilindustrie in den 1990er Jahren führte zum Umdenken in der Stadtplanung. Der Wolfsburger „Nordkopf“ verwandelte sich in eines der dynamischsten Gebiete der Stadt. Neue Dienstleistungs- und Kulturangebote, zu denen auch die Entwicklung des Gebäudeensembles der Stadtwerke Wolfsburg AG zählt, haben die einstige Leere ersetzt.

Der Neubau erweitert den bestehenden, sanierungsbedürftigen Firmensitz aus dem Jahr 1961 in westlicher Richtung. Mit der Erweiterung rückt das Gebäude vor in die Straßenfluchten von Heßlinger Straße und Porschestraße (Koller-Achse). Verbindendes Element zwischen Bestand und Erweiterung ist ein begrünter Innenhof.

Die viergeschossige Basis nimmt die Höhen des Blockrands auf und überführt sie in einen 36 Meter hohen, über die Ecke des Blocks auskragenden Turm, der als Hochpunkt den nördlichen Abschluss der Innenstadt markiert. Er leitet entlang des Mittelandkanals in die „Autostadt“ und das Volkswagenwerk über. Die Idee eines selbstbewussten Stadtbausteins wird durch die Prägnanz der strahlenden Metallfassade aus eloxierten Aluminiumblechschindeln verstärkt.

Das Kundenzentrum im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ist die transparente Schnittstelle zwischen der Unternehmensgruppe der Stadtwerke Wolfsburg AG, den Kunden und der Stadtöffentlichkeit.

Die neue Konzernzentrale ist Arbeits- und Lebensraum für über 400 Menschen. Im Eingangsbereich sind vor allem die Holz- und Natursteinoberflächen prägend.

Die offen, flexibel und hell gestalteten Büro- und Kundenbereiche sind auf einen nachhaltig wirtschaftlichen Unternehmensbetrieb ausgerichtet. Diese besondere bauliche Nachhaltigkeit wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) mit dem Label in „Gold“ ausgezeichnet.

Das Pendant zum offenen Erdgeschoss ist die große „Stadtloggia“ im 10. Geschoss des Turms. Hier öffnet sich der Blick über die nach Plänen von Peter Koller angelegte Stadt, die ab 1938 das zuvor gegründete Volkswagenwerk mit Facharbeitern versorgte. Gerahmt wird der Blick von einem über 30 Meter langen, freikragenden Dachbalken.

Die Fassaden sind aus über 55.000 eloxierten Metallschindeln gefügt, die Bestand und Neubau gleichermaßen wie ein maßgeschneidertes Kleid umhüllen. Das „Schnittmuster“ generiert ein übergeordnetes Fassadenraster von 34 auf 34 Zentimetern, das präzise Bezugnahmen des Neubaus auf den Bestand zulässt. Die Produktion der Schindeln wurde durch eine Behindertenwerkstatt in Thüringen umgesetzt und ausschließlich in Handarbeit realisiert.